Ordnungwandel und kulturelle Vielfalt

KriegsEnden. Woran wollen wir uns halten?

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Das IdGL entwickelt gemeinsam mit Partnerinstitutionen in Freiburg, Emmendingen und Ulm die Wanderausstellung „KriegsEnden. Woran wollen wir uns halten?“. Im Zentrum des Projekts stehen biografische Erfahrungen von Flucht, Lagerleben, Verlust und Neuanfang im Zusammenhang mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Ausstellung verbindet historische Forschung, Archivmaterialien und künstlerische Gestaltung in Form einer Graphic Novel.
Für das IdGL besitzt das Projekt eine besondere Bedeutung, da zentrale Quellen aus dem institutseigenen Archiv in die Ausstellung einfließen. Die Projektleiterin am IdGL, PD Dr. Daniela Simon, wählte die Geschichte von Rosina Fath aus den Archivbeständen des Hauses aus und machte sie zu einem der biografischen Kerne der Ausstellung. Grundlage des Kapitels sind Erinnerungen, Fotografien und biografische Dokumente aus dem Nachlass von Rosina Fath, die künstlerisch von der Freiburger Zeichnerin Ludmilla Bartscht umgesetzt wurden.
Rosina Fath, geboren 1929 im Franztal (Stadtteil von Semlin/Zemun in Serbien) im damaligen Jugoslawien, erlebt als Jugendliche Flucht, jahrelanges Lagerleben und den schwierigen Aufbau eines neuen Lebens in Österreich und Deutschland. Das Kapitel folgt ihrem Weg von der pannonischen Tiefebene entlang von Donau und Save bis in die als eng und überwältigend erfahrene österreichische Bergwelt. Die Gegenüberstellung von Landschaften – Weite und Enge, vertraute Heimat und fremde Lager – bildet eine zentrale erzählerische Ebene der Graphic Novel.
Die Ausstellung ist als modular aufgebaute Wanderausstellung konzipiert und umfasst großformatige Zeichnungen, Ausstellungsbücher zum Blättern sowie Text- und Bildtafeln. Im Mittelpunkt stehen acht biografische Graphic-Novel-Kapitel – überwiegend über Frauen –, die individuelle Erfahrungen rund um das Kriegsende 1945 sichtbar machen. Ergänzt werden die künstlerischen Arbeiten durch historische und kulturgeschichtliche Kontexte, Audio- und Videomaterial über QR-Codes sowie partizipative Elemente, die Besucherinnen und Besucher zur aktiven Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur einladen.
Die Ausstellung fragt danach, woran Menschen sich in Zeiten von Krieg, Flucht und gesellschaftlichem Umbruch halten können – und welche Bedeutung Erinnerungen, Rituale und kulturelle Praktiken für Zugehörigkeit und Zusammenhalt besitzen. Migration erscheint dabei nicht nur als historische Erfahrung, sondern als fortdauernde menschliche Realität, die Familiengeschichten und Erinnerungskulturen bis in die Gegenwart prägt.
Das Projekt entsteht in Kooperation zwischen dem IdGL, dem Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa (Freiburg), der Stadt Emmendingen und dem Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm. Die Gestaltung stammt von Ludmilla Bartscht, die Projektkoordination liegt bei Leni Perenčević. Gefördert wird die Ausstellung von der Baden-Württemberg Stiftung und dem Schroubek Fonds Östliches Europa.
Geplante Ausstellungsstationen sind Emmendingen (Juni bis November 2026), Tübingen (November bis Dezember 2026), Ulm (Januar bis März 2027) sowie Friedland (Mai bis September 2027).
 

Die Zeichnung zeigt Menschen, die sich schützend in den Arm nehmen. Und einen Mann, der eine Person bedroht. Diese hebt die Hände.