Jahrestagung

Call for Papers: "Erinnerung – Tradierung – Mobilität. Transformationen der deutschen Minderheiten in Mittel- und Südosteuropa"

Lesezeit:
  • Teilen
Das Foto zeigt Trachtenpuppen einer Puppenausstelleung in Geresdlak.

Veranstalter: Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde

Datum: 8.10.2026 - 10.10.2026

Ort: 72074 Tübingen

Findet statt: In Präsenz

Deadline: 15.4.2026

Acht Jahrzehnte nach den historischen Zäsuren der Jahre 1944/45 stehen die (deutschen) Minderheiten der Staaten Mittel- und Südosteuropas vor einem tiefgreifenden Paradigmenwechsel. Mit dem Ende der direkten Zeitzeugenschaft vollzieht sich der von Jan Assmann theoretisierte Übergang vom kommunikativen zum kulturellen Gedächtnis. Dieser Prozess markiert nicht nur eine Veränderung in der Art und Weise, wie Geschichte bewahrt wird, sondern er wirft grundlegende Fragen über die Persistenz und Funktionalität einer spezifischen Minderheitenidentität im 21. Jahrhundert auf. Es gilt zu analysieren, inwiefern die Tradierung historischer Narrative über die museale Bewahrung hinaus die gegenwärtige Lebenswelt der Nachkommen strukturiert. Im Fokus steht dabei die Interdependenz zwischen kollektiver Erinnerung und individueller Lebenspraxis. Von besonderem Interesse ist, wie sich das historische Erbe in Sprachwahl, Identitätsbehauptungen bei statistischen Erhebungen sowie in der politischen Orientierung der Minderheitenakteure niederschlägt. Ein zentrales Forschungsfeld bildet zudem die Verknüpfung von Herkunft und sozioökonomischer Mobilität. Die historische Bindung an den deutschen Sprach- und Kulturraum fungiert in der Gegenwart verstärkt als Ressource für transnationale Migrations- und Arbeitsmarktprozesse. Dies umfasst sowohl die Migration in den deutschsprachigen Raum als auch die Re-Emigration oder wirtschaftliche Tätigkeit deutscher Akteure in den historischen Siedlungsgebieten. Ziel ist eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme darüber, ob und wie die Identität der deutschen Minderheiten achtzig Jahre nach der Flucht, Verschleppung und Vertreibung als dynamischer Faktor in einem geeinten Europa fortwirkt oder ob sie sich zunehmend in einen rein kulturgeschichtlichen Referenzrahmen transformiert. 

Vorträge können sich unter anderem folgenden Aspekten widmen:

  • Transformation der Erinnerung (Musealisierung - Erzählung und Tradierung – materielle Erbschaften)
  • Trauma und transgenerationale Weitergabe
  • Identität und Sprache als Kapital
  • Re-Emigration, Tourismus und sozio-ökonomische Auswirkungen im Arbeitsmarkt
  • Politische Instrumentalisierung und öffentlicher Diskurs
  • Digitale Erinnerungsorte und Soziale Medien

Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Die Organisatorin der Tagung, Dr. Beáta Márkus, bittet um die Zusendung eines aussagekräftigen Abstracts von maximal 500 Wörtern. Die Vorträge sollten 30 Minuten nicht überschreiten.
Bitte fügen Sie eine Kurzbiografie (max. 1 Seite) bei.
Einsendeschluss: 15. April 2026.

Die Benachrichtigung über die Annahme der Beiträge erfolgt bis Ende April 2026.
Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben. Übernachtungs- und Verpflegungskosten werden vom Veranstalter übernommen.

Geplant ist die Herausgabe eines Bandes mit den Beiträgen der Tagung.
 

Kontakt
beata.markus(at)idgl.bwl(dot)de