Literaturwissenschaft/Sprachwissenschaft

Im Fokus des Forschungsbereichs stehen deutschsprachige literarische und angrenzende kulturelle Texte (Zeitungen, Zeitschriften, Kalender, Werbungen) als Medien der Selbstauslegung und Beschreibung kleinerer und größerer Ordnungen in Südosteuropa. Sie machen Grenzüberschreitungen und Interferenzen innerhalb dieser multikulturellen Räume und auch zum deutschen Sprachraum sichtbar.

Untersuchungen zur deutschen Literatur aus Rumänien im Zeitraum 1945-1989 rücken Zusammenhänge zwischen Kulturpolitik, staatlich initiierten Überwachungsmechanismen und literarischer Produktion in den Mittelpunkt.

Mit der zunehmenden Wandlung der deutschen Minderheitenliteratur aus Rumänien in eine Migrantenliteratur richtet sich der Blick auch auf Umstellungen des thematischen und poetischen Instrumentariums nach der „Ankunft“ in der deutschen Literaturlandschaft. Es interessieren – auch im Vergleich zu den Vertretern der Migrationsliteratur, die zusätzlich eine sprachliche Hürde nehmen mussten – die Herausbildung einer Poetik der Orts- und Heimatlosigkeit, die Darstellung von Räumen des Kontakts und Transfers, von grenzüberschreitender Kommunikation, Differenz und Konflikten.

Mit der thematischen Schwerpunktsetzung auf die Donau wird nach der Rolle des Stromes in der Selbstverortung von Gesellschaften gefragt, so wie sie in Literatur und Film ausgehandelt wird.

Im Sommersemester 2015 und 2016 wurden auf der Donau-Insel Szentendre in der Nähe von Budapest Blockseminare zum Thema Donau angeboten, an denen sich Studierende aus den Anrainerstaaten der Donau beteiligen.

Auch in der Lehre am Deutschen Seminar der Universität Tübingen stand die deutschsprachige literarische Produktion aus Südosteuropa im Fokus. Meistens wurde jedoch ein Bogen aus dem südöstlichen Europa zur Literatur aus dem deutschen Sprachraum gespannt, sei es gattungsspezifisch durch eine regionenübergreifende Betrachtung von Dorfgeschichten oder etwa durch einen vergleichenden Blick auf poetische und politische Aspekte in den Werken deutschsprachiger Migrantenautoren neben den aus Rumänien schreibenden deutschen Schriftstellern.

Mit dem Bereich Sprachwissenschaft sind Koordinierungs- und Betreuungsaufgaben verbunden, die neben den laufenden Projekten des Forschungsbereichs Literaturwissenschaft wahrgenommen werden.

In Kürze erscheint:

Der Fluss. Eine Donau-Anthologie der anderen Art. Hg. v. Edit Király und Olivia Spiridon. Wien, Salzburg: Jung und Jung 2018.

Die Donau, eine der großen Schlagadern Europas, fließt durch so viele Länder wie kaum ein anderer Fluss, und wie wenige andere hat sie auch Schriftsteller immer wieder herausgefordert. Dieses Buch unternimmt eine literarische Erkundungsreise durch die Jahrhunderte und zwischen den Kulturen. Thematisch sortiert, zeigt es uns in 22 Kapiteln versunkene Inseln, Auwälder, Landschaften und Schluchten, Brücken und Städte, Räume als Speicher historischer Ereignisse. Versteckte Orte und Themen rücken ins Blickfeld, Märkte und Straflager, Flucht und Verfolgung, aber auch die Vorstellung von der Donau als der großen Klammer für die Regionen, durch die sie fließt. Vertreten sind bedeutende Schriftsteller aus den verschiedenen Sprachen und Literaturen entlang der Donau, die eine Vielfalt und Farbigkeit sichtbar werden lassen, die staunen macht. Jedes Kapitel ist mit einer kulturhistorischen Einleitung versehen.

Weitere Informationen

Laufende Forschungsprojekte

An der Donau. Ein europäisches Literaturprojekt

Mehr

Die Donau in Literatur und Film

Mehr

Identitätsentwürfe der Deutschen aus dem Süden der Habsburgermonarchie in Zeitungen, Kalendern und literarischen Zeugnissen ab 1890 bis Ende des Ersten Weltkriegs

Mehr

Literatur und Migration

Spielarten der Ankunft. Die deutsche Literatur aus Rumänien nach der Übersiedlung in die Bundesrepublik

Mehr

Sektion am 5. MGV-Kongress: Region(en) von Mitteleuropa - Historische, kulturelle, sprachliche und literarische Vermittlungen
Migranten, Schmuggler, Grenzer und Grenzbewohner. Eine Donau „von unten“

Mehr

Leiterin des Forschungsbereichs

Dr. Olivia Spiridon