Die österreichisch-ungarische Verwaltung in Bosnien und Herzegowina (1878-1918): Erfahrungen in Herrschaft und Interkulturalität am Beginn der Moderne

Bosnien und Herzegowina, bis 1878 Randprovinzen des Osmanischen Reiches, wurden auf dem Berliner Kongress der Verwaltung Österreich-Ungarns unterstellt. Obwohl Grundzüge der tradierten Gesellschafs- und Besitzordnung durchaus intakt gelassen wurden, zog der Herrschaftswechsel gleichwohl auch tiefgreifende Modernisierungsprozesse nach sich, z.B. in Ökonomie und Infrastruktur, Stadtbild und Alltagsleben, im Gesundheitswesen, in Bildung und Kultur.

Die Arbeit beschreibt die politischen Umbrüche und den rapiden sozialen und kulturellen Wandel der bosnischen Gesellschaft in den Perspektiven von „Einheimischen“, zumal Muslimen einerseits, sowie deutschsprachigen Beobachtern und „Einwanderern“ andererseits. Der Fokus liegt auf Verschiebungen in Selbstbildern, Vorstellungen und politischen Strategien. Diese historisch-diskursive Ebene wird vertieft und veranschaulicht durch Fragen „interkultureller Kommunikationen“ in der Verwaltungspraxis, Beispiele von Ideentransfers in den Lebenswegen von Eliten, den Blick auf Adaptionen in städtischer Lebenswelt und Massenkultur sowie schließlich durch alltags- und mikrogeschichtliche Zugänge in die Lebenswelten von ländlichen „Kolonisten“ und „Bosniendeutschen“.

Leiter des Forschungsbereichs

Prof. Dr. Carl Bethke